Analyse

Die Wahlberechtigten des Kantons Zürich wählen die sieben Mitglieder des Regierungsrats in einem offenen Majorzverfahren. Erstmals erschlossenes, im Auszählungsprozess anfallendes Datenmaterial zeigt, welche Kandidaturenkonstellationen in den Gesamterneuerungswahlen 2019 auf den Wahlzetteln standen und damit im Detail, welche Entscheidungen die Wählerschaft traf. 

Vollständig ausgefüllte Wahlzettel haben dabei einen Anteil von 37%, während nur eine Minderheit (12%) lediglich eine oder zwei Kandidaturen wählte. Weil nur drei Parteien – die SP, die FDP und die SVP – zwei Kandidaturen nominierten, die anderen im Kantonsrat vertretenen Parteien aber nur je eine, bedeutet dies auch, dass sich nur ein kleiner Teil der Wählerschaft (11%) für Kandidaturen nur einer einzigen Partei entschied. Selbst wenn man den Kreis um jene erweitert, die nur Kandidaturen aus einem der drei grossen politischen Lager – Links, Mitte und Rechts – wählten, so kommt man auf nur 26% der Wählerschaft. Der grosse Rest entschied sich dafür, Kandidaturen aus zwei (33%) oder sogar allen drei grossen politischen Lagern (39%) zu mischen. Die Regierung, in der alle drei ideologischen Lager vertreten sind, ist also nicht wie die Zusammensetzung des Parlaments ein Aggregationsphänomen. Ein erheblicher Teil der Wählerschaft nimmt die breit abgestützte Zusammensetzung der Regierung bereits in der individuellen Entscheidung, also beim Ausfüllen des Wahlzettels, vorweg. Gemessen an der Zahl der abgegebenen Stimmen ist diese Gruppe mit 51% sogar noch gewichtiger, weil sie kaum eine Linie auf dem Wahlzettel leer lässt und so ihr Potential fast vollständig nutzt.

Lager- und Mischwählerschaften in den Regierungsratswahlen 2019

Links = Regierungsratskandidaturen von Grünen, SP, AL; Mitte = EVP, glp, BDP, CVP; Rechts = FDP, SVP, EDU.

Die Analyse der Wahlzettel zeigt überdies, dass sowohl das bürgerliche Ticket wie auch jenes der Linksparteien eine gewisse Bedeutung hatte: Die in den Tickets vereinten Kandidaturen standen oft zusammen auf den Wahlzetteln. Doch wurden sie nur verhältnismässig selten ausschliesslich und/oder vollständig eingeworfen. Selten waren zudem Wählende, die Frauen- oder Männerkandidaturen klar bevorzugten.